Unsere Arbeitsweise
KlangDer Bau eines Instrumentes beginnt mit dem Erstellen der Disposition. Dabei ist zu berücksichtigen, für welchen Zweck das Instrument gebaut ist und wie es verwendet werden soll. Insbesondere bei kleineren Instrumenten setzt die Auswahl der einzelnen Register große Sorgfalt voraus, denn mit jedem Register, das eingesetzt wird, schränkt man sich bzw. den Spieler an anderer Stelle ein. Wir versuchen hier das Optimum in Zusammenarbeit mit dem Organisten und der Gemeinde zu erreichen.
Disposition, Mensuration – die richtige Wahl der einzelnen Pfeifenparameter im Verhältnis zur Raumakustik – und Intonation liegen bei uns in einer Hand. Das bildet die Grundlage für ein klanglich optimales Ergebnis. Gerade bei kleinen Instrumenten ist es unabdingbar, daß jedes Register einen ausgeprägten Charakter aufweist, weil nur dann mit wenigen Registern ein Maximum an Klangfarbenreichtum erzielt werden kann. Hinzu kommen Expressivität, Lebendigkeit und Mischungsfähigkeit, die unseres Erachtens einen guten Orgelklang kennzeichnen. Das Ziel unserer Intonation ist ein warmer, voller und lebendiger Klang, der einen Menschen im tiefsten Inneren bewegen kann.
Jede Pfeife wird dafür auf den optimalen "Punkt" gebracht, d.h. alle Parameter werden so eingestellt, daß die Tongebung einer Pfeife verläßlich funktioniert. Wenn das gegeben ist, ist die Pfeife auch in der Tonhaltung stabil und muß kaum noch gestimmt werden. Außerordentlich wichtig ist das Verhältnis von Ansprache und stationärem Klang der einzelnen Pfeife. Es dürfen weder die Ansprache-Geräusche so sehr dominieren, daß sie stören, noch dürfen sie völlig beseitigt werden, sodaß ein Register konturenlos und im Gesamtklang wenig durchhörbar wird. Eine weiche Ansprache, die durch einen lebendigen Wind mit möglichst großen Magazinbälgen gefördert wird, unterstützt dieses Bemühen. Das richtige Maß bei jedem Ton, bei jedem Register wird unterschiedlich in Abhängigkeit von Raumakustik und Instrument gewählt.
Daß für ein gutes Instrument hochwertige Materialien und dauerhafte Bauweisen zur Anwendung kommen, sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist aber trotzdem zu betonen. Dazu gehört gut abgelagertes Holz, das für entscheidende Teile, wie die Windladen, Jahrzehnte natürlich getrocknet wurde und sich entsprechend beruhigen konnte. In unserem Holzlager haben wir Eichenholz, das bereits mehr als 20 Jahre getrocknet worden ist – und das, obwohl unsere Werkstatt noch nicht so lange existiert. Grundsätzlich gilt:
Weniger ist hier oft sehr viel mehr! Ist ein Instrument zugänglich, kann es gut gestimmt und gewartet werden, was der Dauerhaltbarkeit sehr zuträglich ist. Auf diese Weise wird der Wert eines Instrumentes erhalten und die Investition in ein Instrument lohnt sich - gerade auch über einen langen Zeitraum gesehen.
DesignDie Schauseite der Orgel, der sogenannte Prospekt, muß schon im stummen Zustand dem Betrachter vermitteln, was die Orgel an Klangfülle, Majestät und Gravität darstellt, wenn sie erst einmal klingt! Er soll die Vielfältigkeit, die klanglichen Differenzierungsmöglichkeiten darstellen; auf der einen Seite die Zierlichkeit, auf der anderen aber auch die Wucht, mit der solch ein Instrument fähig ist, den Zuhörer zu beeindrucken. Darüber hinaus muß er sich auch dem Raum fügen, ohne sich ihm ganz und gar unterzuordnen.
Manche Orgel besitzt klangliche Qualitäten, die aber im visuellen und im haptischen Bereich nicht ihre Entsprechung finden. Ein Beispiel ist die triste Atmosphäre mancher Spieltische! Allein solch eine "Kleinigkeit" wie mit Kunststoff belegte Tasten führt dazu, daß der Spieler nicht "wohl fühlt" in der unmittelbaren Bedeutung des Wortes und damit auch sich nicht wohlfühlt. Es besteht eine unmittelbare Beziehung zwischen diesen Begriffen und damit auch zwischen diesen Dingen! Ein gutes Instrument, wie wir es uns vorstellen, muß auch in dieser Beziehung den Spieler ansprechen!
FazitWerden diese Dinge in ihrer Gesamtheit gesehen und beim Bau einer Orgel umgesetzt, entstehen quasi automatisch hochwertige Instrumente. Allerdings muß, wenn es eine außergewöhnliche Orgel werden soll, zur intellektuellen und handwerklichen Bewältigung immer auch "das gewisse Etwas", das Gespür, die Intuition – das, was das Instrument letztlich "beseelt" – hinzukommen. |
![]()